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Was sagt Ihr dazu? Ich bin auf Instagramm! Ob das Sinn macht? Keine Ahnung. Der Versuch, Videos hochzuladen, verlief wenig zufriedenstellend. Auch irritiert mich, dass meine Facebook- Freunde plötzlich anders heißen, andere Profilfotos haben ... UND BEI PRIVATEN PROFILEN NICHT AUF MEINE HÖFLICHE ANFRAGE REAGIEREN!!! 


Ich hab schon verstanden! 😂😂😂



Instagram

„Was? Du hast ein Buch geschrieben? Und warum weiß ich nichts davon?“

Ich blicke meinem Gegenüber verschämt in die Augen. Ich geniere mich immer, wenn man mich bei einer Unterlassungssünde ertappt.

„Werbung, mein Lieber! Warum machst Du keine Werbung?“
„Mach ich doch! Auf Facebook hab ich doch die Autorenseite -“
„Facebook, Facebook! Die reinste Rentnerveranstaltung! Bringt nichts!“
„Und was bringt was?“
„Instagram, und YouTube!“

Na gut. Instagram, also. Ich installiere die App, und erstelle meinen Steckbrief. Nach drei Sätzen werde ich liebevoll darauf hingewiesen, dass ich mein Wortkonto leider überzogen habe. Was kann ich noch weglassen? Na gut. Nur Stichworte. So. Ich lade ein paar Facebook-Freunde ein, und poste mein erstes Foto. Und noch eins. Hm. Ob nicht auch ein Video ... das, auf dem ich aus meinem Buch vorlese, natürlich! 15 Minuten dauert es. Ich schaue es mir an. Sinnlos. Nur 60 Sekunden darf es lang sein. Da habe ich gerade „Guten Tag“ gewünscht. Ich versuche es mit der Aufnahme einer Autofahrt durch winterliche Landschaft. Diese Videos werden tatsächlich von allen betrachtet, die ich kenne. 

Und dann von denen, die ich ( noch ) nicht kenne. „ROHIT_MODEL FOLGT DIR JETZT“, informiert mich Instagram. Warum, denke ich. ROHIT_MODEL ist Inder aus Amritsar, stolzer Moslem, Photoholic, 17 und Modeblogger. Hm. Am 23. Juni hat er Geburtstag. Und er liebt Mama und Papa. Und Musik. Und er ist noch nicht bereit für die Liebe, denn er respektiert Mädchen. Schreibt er. Ist bestimmt besser, in Indien. Auch wenn mir der Zusammenhang nicht völlig klar ist. Aber er hat 686 Tsd. Follower. Und ist eine ‚Persönlichkeit öffentlichen Lebens‘. Donnerwetter! 

Ich sehe mir seine Fotos an. Ein lieber, dunkelhäutiger Junge. Er sitzt offenbar gern auf Bahngleisen, schaut oft auf sein iPhone, besitzt einige Hemden, von denen er das Rote mit dem weißen Kragen sehr liebt. Er lehnt an einem Baum, schaut wie Maria Schell über ein Gewässer, hängt mit Freunden vor einer Garküche ab. 
Die Fotos hat er vermutlich durch jedes Bildbearbeitungsprogramm gejagt, das verfügbar ist. Unebenheiten sind weggespachtelt. Seine Hautfarbe bei den Portraits ist fast weiß - im Gegensatz zu den Ganzkörperaufnahmen. In den Augen liegt ein überirdischer Glanz. Die Lippen erscheinen mit einer Farbe zwischen blassen Orange- und Pink-Tönen. Das Gesicht erscheint konturiert, ebenmäßig, perfekt. So was will ich auch, schießt es mir durch den Kopf. ( Notiz an mich: Unbedingt einen Selfie-Editor herunterladen! ) 

Ich versuche, mit ROHIT zu reden. „I like the red shirt, too!“ lautet mein zaghafter Versuch einer Kontaktaufnahme. „Thx!“, heißt die Antwort. Vokale kosten extra. Die kleine Plaudertasche! 

Stunden später habe ich eine kleine Gemeinde um mich herum versammelt. Wirklich erstaunlich. Schauspieler. Sänger. Musiker. Künstler. Influencer. Bodybuilder. Fashion Blogger. Und Models. Immer wieder Models. Erstaunlich, wie viele Models es gibt. Sogar in Afghanistan, im Iraq, in Pakistan und gern auch dem Iran. Ich hatte angenommen, dass die Kids in diesen Ländern andere Probleme haben, als ihre Bilder mit Photoshop und Facetune und Selfie-Editor nachzubearbeiten. Aber, so als „Person des öffentlichen Lebens“? Da muss das wohl sein! 

Die Posen sind meist dieselben, oder zumindest ähnlich. Man räkelt sich auf einem Toyota herum, sitzt auf einem Motorroller, sitzt auf Brückengeländern oder in Gleisbetten, liegt verträumt im Gras. Sonnenbrillen sind grundsätzlich verspiegelt, Bärte präzise konturiert. Den entweder ins Gesicht fallenden oder zu einer verwegenen Tolle aufgetürmten Haaren hat ein übermütiger Friseur einen Schuß Rot oder Blond spendiert. Augen sind kajal-umrahmt, die Lippen schimmern vor lauter Gloss im Sonnenlicht und sind entweder vulnerabel-lasziv halb geöffnet oder zu einem neckischen Grinsen verzogen. ( Notiz an mich: Lipgloss kaufen. Und Kajal. Ob das was rausreißt, bei meinem Gesicht? ) 

Innerhalb von 4 Wochen habe ich nunmehr 647 Follower. Ich könnte wesentlich mehr haben. Gegen geringe Gebühren kann man Follower käuflich erwerben. An Angeboten mangelt es nicht. Im unteren Preissegment liegen die Tausender, im Oberen die Zehntausender. Follower sind wichtig. Je mehr Follower, desto mehr Likes. Likes sind wichtig. Je mehr Likes, umso wahrscheinlicher ist eine Karriere als Beeinflusser und Werbeträger. Ja, und um Werbung geht es, oder? 

Ob mein Büchlein allerdings mit den Muskeln und Sixpacks, der Coolness, dem Style mithalten kann, bleibt abzuwarten. ROHIT hat alle Beiträge, die ich gepostet habe, geliket. Der Gute! Zur Belohnung hab ich ihm die bewährte ‚Daumen hoch-Smiley-Herz-Bussi‘-Kombination geschickt. Nur nicht so viel quatschen. Lenkt nur ab vom Wesentlichen. Außerdem habe ich direkt was aus seiner Galerie zurückgeliket. Ich weiß, wie man sich benimmt. 

Ach so. 691. Follower, meine ich. Ich bin nicht mehr aufzuhalten. 


Es gibt Momente, da möchte mal die komplette Weltkugel sanft und gütig streicheln! Schaut mal: Ist das nicht irre? Über 1000 Follower! ( Rede mir hier keiner von inflationären Tendenzen! Nein, es sind auch keine Gekauften dabei! ) Und dann so zauberhafte wie dieser indische Junge, der das Profilbild des dicken alten Mannes sieht und „awesome“ schreibt! Ist das nicht wirklich süß?