Glück gehabt! 

Man betrachtet ein Bild. Naja, was man so „Bild“ nennt. Eher langweilige geometrische Formen, bunt, mit einem Pinsel über eine Leinwand gewischt. Jeder halbwegs dressierte Affe kann das. 

Oder man hört im Radio Musik, und man weiß, das hatte ich tausendmal besser gesungen. Im Kino, der Hauptdarsteller im Film - ganz unglaubwürdig. Ich hätte die Rolle eher so angelegt, dass ... Oder ein Comedian. Unlustig. Warum darf der im Fernsehen auftreten, und ich nicht? Ich weiß, wie man Witze erzählt! 

Mein Thema ist ja nun das Schreiben. Kochbücher wie Biolek? Belletristik wie Hera Lind? Polarisierendes wie Sarrazin? Ratgeber a la „Wie werde ich mühelos schlank, reich und prominent?“ Feuchtgebiete und graue Schatten? Sowas wird gekauft, liegt bei Thalia auf den Tischen herum, und auf den Bestseller-Listen rangieren diese Werke weit oben. Es gibt natürlich auch wunderbare, hochwertige Literatur, die Preise gewinnt und von prominenten Kritikern in allen Medien hoch gelobt wird. Die werden eher weniger gelesen. Und dann gibt es Verlage, die für ihre Autoren Werbung machen. Dies alles wurde mir nicht zuteil. Bisher. Weil ich es auch nicht kann. Und nicht will. 

So etwas wie Neid kommt auf in dem Zeitgenossen, der künstlerisch arbeitet. Der Maler, der Musiker, der Schauspieler - sie alle verdienen Geld mit dem, was sie tun. Unsummen. Zumindest denkt man das. Und was ist mit mir, fragt er sich? Ich komme gerade so über die Runden. Am Ende des Geldes ist noch reichlich Monat übrig. Dabei: MIR stünde das zu. ICH sollte Geld verdienen, für mein Talent, meine Inspiration, mein künstlerisches Feingefühl, meine Interpretation und Phrasierung. Könnte ich nicht auch mal Glück haben? Dabei weiß man, dass nur ca. 5% der Schriftsteller von ihrer Schreibe leben können. 

Es ist falsch verteilt, auf dieser Welt, nicht wahr? Ich will gar nicht bestreiten, dass auch ich nicht frei bin von - nein, nicht von Neid und Eifersucht. Ich gönne jedem seinen Erfolg. Aber von dieser Wehmut, die einen beschleicht, wenn man denkt, etwas zu können, aber keine Chance erhält, es zu zeigen. Man möchte eben zu den ca 5% der Schriftsteller gehören, die Geld verdienen. Ist das zu viel verlangt? 

Ja, und seit heute ist alles anders. Ab sofort gehöre ich dazu. Mit meinen Klecksen auf einer Leinwand, bzw., meinen Buchstaben auf Papier. Ab sofort bin ich der, von dem alle denken, wieso ausgerechnet DER. Weil doch alle so viel mehr Talent, Inspiration, künstlerisches Feingefühl haben. So viel besser sind. Warum also ausgerechnet dieser Peik Volmer? 

Um es kurz zu machen: Ich weiß es auch nicht. Aber ich freue mich. Sogar sehr.


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( 2.3.19 ) Liebe Freunde

Ich würde hier gern die gute Gelegenheit nutzen, um meine literarischen Bemühungen etwas zurechtzurücken, und zu verteidigen. 

Ein designierter Ex-Freund rümpfte nämlich sein operativ korrigiertes Näschen. Oh Gott, ein Groschenroman. Schrecklich. Da wirst du wohlmöglich Idol frustrierter Hausfrauen, Fabrikarbeiterinnen und Sekretärinnen, die auch nicht davor zurückschrecken, Daily Soaps auf RTL-Niveau zu konsumieren. Und dann veröffentlichte ich das Geschmiere auch noch unter meinem eigenen Namen, und nicht schamhaft hinter einem Pseudonym verborgen! Schande brächte ich über das Geschlecht der Volmers! Man müsste mich verleugnen, nein, den kennen wir nicht! Mit dem haben wir lieber nichts zu tun! „Und sowas nennt sich nun ‚Schriftsteller‘! Warum überhaupt hast du deine Praxis zugemacht, du warst doch mal ein guter Arzt!“ ( Ich habe diese Flanke absichtlich geöffnet. Es gibt Kritikern die Gelegenheit, boshaft festzustellen, „Hoffen wir mal für die Patienten, dass er ein besserer Arzt war, als er schreiben kann!“ )

Tja. So unterschiedlich kann’s im wirklichen Leben kommen. Bin ich Schriftsteller? 

Ja, per definitionem. Ich schreibe, werde gedruckt, aufgelegt, digital verarbeitet und auf unterschiedlichen Medien gespeichert. Meine Texte werden überarbeitet, lektoriert und vermutlich sogar gelesen. Aha. Scribo ergo scriptor sum. 
Trotzdem werde ich nicht Mitglied im PEN-Club. Das Literarische Quartett wird mich gar nicht zur Kenntnis nehmen, genauso wenig wie Elke Heidenreich oder der Feuilletonist der ‚Zeit‘. Ich werde weder den Literatur-Nobelpreis, noch den Friedenspreis des deutschen Buchhandels gewinnen. Noch nicht mal bei Lovelybooks.de werde ich für irgendwas nominiert werden, oh weh! Und glaubt ja nicht, dass ich es je in die Auslage der Meyerschen, oder bei Thalia schaffe, wohlmöglich mit eigenem Tisch, auf dem stapelweise meine Heftchen liegen! Mitnichten! Mich kauft man am Kiosk, zusammen mit der Tageszeitung und dem Coffee to go, nachdem man den Lottoschein abgegeben hat. Wie schade. 

Darf ich mal giftig sein? Ich freue mich für jeden, der talentierter ist, als ich. Der mit hohem Anspruch seine Buchstaben zu Papier bringt, literarisch fein gewebt, Metapher an Metapher, mit perfekter Struktur, alles, was er in der Volkshochschule über kreatives Schreiben gelernt hat, minutiös anwendend. Von Heldenreise über turning point bis show don’t tell. Fantasievolle Fantasy-Autoren, kriminologisch bewanderte Krimiautoren für inzwischen jedes Kaff unseres deutschen Vaterlandes,  kindische Kinderbuchautoren,  liebevolle Liebesromanautoren. Ich finde das großartig. Und dann erscheint das Werk im Self-Publishing, verkauft sich 100 Mal, und wenn man Glück hat, erlangt man in Insider-Kreisen gewissen Ruhm, ja, der da, der kann wirklich gut schreiben, hoffentlich findet er mal einen Verlag. Leben kann er leider nicht, vom Verkauf seiner Bücher. 

Ich ja. 

Muss ich mich dafür entschuldigen? Ich kann nichts Schlechtes daran entdecken. Ich halte mich nicht für einen großen Künstler, der wie weiland der olle Hemingway seine Inspirationen im La Closerie des Lilas suchte. Ich schreibe am liebsten bei McDonalds. ( Ich habe auch diese Flanke absichtlich geöffnet. Man könnte mir, hämisch grinsend, ein „Das merkt man aber auch!“ an den Kopf werfen! ) Ja, ich schreibe für Hausfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Sekretärinnen. Was ist so schlimm daran? Dürfen die nicht lesen? Etwas Heiteres, Kitschiges, Entspannendes oder Melodramatisches? Etwas, dass dafür sorgt, dass sie den Ärger mit dem Chef, den Kontostand, den Streit mit dem Liebsten vergessen können? Dass der Weg zur Arbeit sich kürzer anfühlt? 

Und was ist mit denen, die vom Tagwerk erschöpft heimkehren, und nicht automatisch den Fernseher anstellen wollen? Ja, ich habe da auch immer den Band mit den Goethe-Gedichten hervorgezogen, oder in meiner Rilke-Gesamtausgabe geschmökert. Aber es soll auch Menschen geben, denen das dann zu anstrengend ist. Erstaunlich - aber wahr. 

Regt euch ab, Freunde. Es beeindruckt mich nicht. Ich mache trotzdem weiter. Weil es Spaß macht. Und weil ich keine Pfandflaschen sammeln muss - denn ich gehöre zu den vier Prozent, Hurra! 




Am Anfang war das Wort

Also, folgendermaßen begann es: Ich besuchte die Frankfurter Buchmesse, mit meinen neuen Chefs fest verabredet, und da ich so gern Geschichten erzähle, müsst ihr euch eben mal diese anhören. 

Es ist ja nicht so, dass ich von meinem  Büchlein keine Exemplare verkauft hätte, aber zwischen Stephen King und mir liegen doch gewaltige Unterschiede. Und so unterhielt ich mich mit einer befreundeten Buchhändlerin und äußerte die Lust, vielleicht auch mal etwas Geld zu verdienen, mit dem Schreiben. 

Diese lachte gehässig. Ob ich denn nicht wüsste, dass dies Privileg nur wenigen vorbehalten sei? Nur 4% aller Schreibenden verdienten Steuerpflichtiges? Wenn man vorher nicht Unsummen in Werbung steckte, gäbe da für Newcomer keinen Markt, es sei denn, man schriebe irgendwas Populäres wie ‚Deutschland den Deutschen, Ausländer raus‘ oder ‚Wie ich islamisiert und zwangsverheiratet wurde‘. Oder Ratgeber. „Wie werde ich reich ohne Arbeit, schlank ohne Diät, Politiker ohne Sachkenntnis“. Oder man schriebe Heftromane. Kennt man ja. Adel, Heimat, Arzt, Liebe, Fantasy. „Groschenromane“, eben. 

Ich hab mir mal so ein Ding gekauft. Gefiel mir nicht. Kann ich besser, dachte ich. 
Da in einem Produkt der Funke Mediengruppe, dem „Goldenen Blatt“, wöchentlich so ein 5000-Wörter-Machwerk steht, habe ich flugs einen Arztroman in diesem Volumen gestrickt und nach Ismaning geschickt. Ich erhielt, was in dieser Branche keineswegs selbstverständlich ist, eine wirklich nette Zuschrift der zuständigen Redakteurin, die mit Bedauern auf die vertragsmäßig beschäftigten Autoren hinwies. Was ich zauberhaft fand: Handschriftlich hatte sie ihre Unterschrift um ein „Schreiben Sie unbedingt weiter!“ ergänzt.

Ich erzählte auch das der befreundeten Buchhändlerin, die das schon sehr nett fand, aber wissend nickte. „Da kriegt man fast nie einen Fuß in die Tür. Diese Verträge werden weitervererbt.“

Ich habe es trotzdem versucht. Die beiden größten Verlage, Bastei und Kelter, sind Konkurrenten. Ich hatte größeres Zutrauen zu Kelter, wegen Hanseaten und norddeutsch. 

Und dann erschien der unfassbar freundliche Cheflektor des Kelter-Verlages. Bekanntestes Produkt „Dr. NORDEN“. So ein Zufall, schrieb er. Der Kelter-Verlag sei gerade am Umstrukturieren, und ich solle das um Gotteswillen nicht als Zusage auffassen, aber - benötigt würden mindestens ALLE VIER WOCHEN ROMANE MIT EINEM VOLUMEN VON 30000 WÖRTERN = 185000 ANSCHLÄGE. Ob ich denn überhaupt bereit wäre, so etwas ... Ich bat mir 60 Sekunden Bedenkzeit aus, und schickte eine Mail mit einem „Ja, ich will.“ 

Der Kontakt intensivierte sich. Einer der Kelter-Brüder wollte mich. Er hätte einen Traum, hieß es. Haltet euch bitte irgendwo fest. Er wollte unbedingt eine Reihe herausbringen - „Dr. Süden“. ( Ja, genauso habe ich auch geguckt. Schrecklich, habe ich gesagt, und Angebote gemacht, was man fremdsprachlich aus dem Namen machen könnte. Wusstet ihr, dass Süden auf Schwedisch „Söder“ heißt? ) All mein Jammern half nichts. Dr. Süden, oder nichts. Na gut. Ich habe dann aber meine Mitarbeit an die Bedingung geknüpft, ihn mit Vornamen Egidius nennen zu dürfen. Inzwischen hatte ich mich an Süden gewöhnt, die anderen Entscheider waren sich nicht so sicher, weil sie Image-Schäden bei Dr. Norden befürchten. Wir diskutierten und nach nur zwei Monaten hieß das Kind ‚Sonntag‘ statt ‚Süden‘. Ist ja auch schön.

Das zweite Problem war das Titelbild. Der Umschlag bestimmt den Wiedererkennungswert. Ganz glücklich bin ich nicht, mit der Wahl. Aber ich kann damit leben. Und außerdem: HALLO? Ich habe einen Fuß in der Tür bei Kelter?! Wahnsinn! 

Somit fuhr ich nach Frankfurt, und stellte mich den Cheflektoren vor. Am Freitag, 12.10., um 12 Uhr, Halle 3.1, Stand F48. Ich durfte den Beiden die Personen vorstellen, das Konzept, das Exposé, alles eben, was dazugehört. Ich musste nicht darum streiten, meinen Namen behalten zu dürfen. Das bisherige Verlagskonzept zu verändern, ebenso wie die Struktur der Geschichten. Ein Mitspracherecht bei Textänderungen zu haben. Durchsetzen, dass ich bei Verfilmungen neben Christine Neubauer und Christiane Hörbiger die Hauptrolle spielen darf. Das Übliche, halt. 
Eine solche Chance kommt nicht wieder. Und dann ist da noch MEINE Lektorin, die an mich glaubt. Der Cheflektor vertraute mir an, dass sie unbedingt mich wollte, weil sie findet, dass das, was ich schreibe, „endlich mal was anderes ist“. Und sie mag es. Was will man mehr. 

„Weißt Du“, fragte die befreundete Buchhändlerin, der ich von meinem Erfolg erzählte, „wer noch bei Kelter angefangen hat und berühmt geworden ist?“ Ich wusste es nicht. „Wolfgang Hohlbein“, war die Antwort. Das ist immerhin einer der mittlerweile bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren, mit 43 Millionen verkauften Büchern.

Eines Tages werden Bettina Böttinger, Maybritt Illner, Anne Will oder Markus Lanz mich fragen, „Herr Volmer, wie eigentlich wurden Sie Bestseller-Autor?“ Und ich werde, unendlich bescheiden und demütig, antworten, „Wissen Sie - komische Geschichte. Es begann damit, dass ich nach Frankfurt zur Buchmesse fuhr ...“

Das war sie, die Geschichte! 







Interessieren euch vielleicht die handelnden Personen? Also, Professor Dr. Sonntag, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Klinik St. Bernhard ist natürlich die zentrale Figur. Seine bezaubernde Frau Corinna. Sein Sohn Lukas. 
Aber die stehen ja sowieso im Mittelpunkt. Die hebe ich mir für später auf. Ich beginne mal mit meiner absoluten Lieblingsfigur.

Karin Fürstenrieder ( Weisheit, Großzügigkeit, Ordnung )

Sie ist das Herz der Chirurgischen Klinik. Die graue Eminenz. Die Chefsekretärin. Alles geht über Ihren Schreibtisch. Und, im Gegensatz zu den meisten Chefsekretärinnen, eine liebenswürdige, gutmütige Frau. Als wir sie kennenlernen, ist sie 49 Jahre alt. Bei einer Körpergröße von 177 cm und einem Gewicht von 89 kg können wir uns vorstellen, dass sie ununterbrochen auf Diät ist. Bereits als Baby war sie ziemlich propper. Ihr mangelndes privates Selbstbewusstsein wird ausbalanciert durch die Anerkennung ihres Chefs, ihre Beliebtheit in der Klinik und  auch durch die Machtposition, die sie innehat.

Vermutlich sind ihre Unsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl bedingt dadurch, dass ihre jüngere Schwester unverhohlen das Lieblingskind ihrer Eltern war. Ihr Gewicht war der Grund dafür, dass ihre Eltern sie als Baby nur selten auf den Arm nahmen; sie war Ihnen zu schwer. Ihre Kindheit war nicht unglücklich, aber schwierig.

Als die Wahrsagerin Josefine Rixner stationär aufgenommen wird, sagt diese ihr für 2019 voraus, dass sich endlich ihr Herzenswunsch nach einer Partnerschaft erfüllen wird. Sie selbst hat ihr Herz an einen der Chefärzte gehängt, allerdings - na, sagen wir mal so: Es kommt etwas anders. 

Ich habe dieser Dame mit der grauen Kurzhaarfrisur eine goldberandete Brille auf die Nase gesetzt, die mit einer an den Bügeln befestigten Kette gesichert ist. Ihre Kleidung ist eher konservativ und bieder, aber das ändert sich im Verlauf, weil ... naja, das lest ihr dann ja. 

Ich habe Frau Fürstenrieder gern. Sie ist ein Organisationstalent, sie ist ihrem Chef gegenüber 100%ig loyal und zuverlässig. Sie ist großherzig und hat den Glauben daran, dass alles gut wird, nicht aufgegeben. Sie ist empfänglich für gutes Benehmen und erstklassige Umgangsformen. Und sie ist spontan genug, zuzusagen, als Pfleger Chris mit ihr einen Tanzkurs ... ok, ich will nicht so viel verraten. 

Ihr wundert euch vielleicht über die drei Begriffe, die ich oben neben ihrem Namen notiert habe. Ähnlich bin ich mit allen Figuren verfahren. Immer, wenn sie auftreten, vergegenwärtige ich mir, wofür sie stehen. Dann fällt es mit leicht, so zu denken, zu handeln und zu sprechen, wie sie. 



Gerade hab ich im Supermarkt eine Reihe entdeckt, die „Der Bergpfarrer“ heißt. Ich will mich ja jetzt nicht Brüsten, aber - sowas kommt auch im Dr. Sonntag vor! Und zwar in Gestalt des 

Pfarrers Valerian Ettenhuber ( Genuss, Schuld, Täuschung )
( dank Dir schön für Deinen Nachnamen, Helmut! )

Valerian hat sich sehr verändert, über die Jahre. Das liegt einerseits an seiner Vorliebe für Kuchen und andere Speisen, andererseits an seinem Amt als katholischer Priester. Er war in seiner Jugend ein hübscher, schlanker Jüngling. Inzwischen hat er eine Metamorphose zu einem kugelrunden Geistlichen hinter sich. Immer, wenn er in seiner Rolle als Pfarrer redet, spitzt er die Lippen und spricht mit hoher Stimme. Und er bewegt sich mit kurzen Trippelschritten vorwärts, was natürlich auch seiner Körperfülle geschuldet ist. 

Moment, sagte ich eben: Rolle als Pfarrer? Ja, man muss es zugeben. Das, was er von der Kanzel verkündet, glaubt er selbst nicht. Zu oft wurde er, inbrünstig betend, enttäuscht, so dass er im Laufe der Jahre seinen Glauben verloren hat. Dennoch ist sein Leben als Schlierseer Pfarrer angenehm. Es wird ihm Respekt entgegengebracht, er wird um Rat gefragt. Deswegen erhält er die Fassade um seine Person aufrecht, und fungiert auch als Krankenhausseelsorger in St. Bernhard. Mit zwei anderen Personen ist er verwandtschaftlich verbunden, aber das werdet ihr, liebe Leser, ja noch merken. 

In diesem Jahr wird Valerian 54. er ist 175 cm groß, und wenn man ihn fragt, wieviel er wiegt, gibt er nur 100 kg zu. Alles an ihm wirkt rund, der Kopf, der von einem silbernen Haarkranz umgeben ist, und die Augen, vor denen er eine halbe Brille platziert hat, über die er aber meist hinwegsieht. Ob er sich hinter ihr versteckt?


So, hier kommt sie! Eine ganz reale Person! Ich hatte das riesengroße Glück, mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen! Obwohl ich eigentlich in der Chirurgie war, habe ich mich zu ihr in die Anästhesie geschlichen. Sie brachte mir das Intubieren bei. Zugänge zu legen. Sie war witzig, grimmig, sarkastisch, freundlich. Eine perfekte Berlinerin. Bei mir heißt sie


Dr. Elenore Pahlhaus ( humorvoll, mütterlich, patent )


Wie im wirklichen Leben, ist Elenore auch hier Chefin der Narkoseabteilung. Sie ist 45 Jahre alt, 178 cm groß und 65 kg leicht. Ihre Haare sind fuchsrot gefärbt, ihre Brillen bunt und extravagant. Sie hat feine Gesichtszüge, liebt grüne Kleidung und Ketten. 


Sie war eine sehr begabte Schülerin, die nach dem frühen Tod ihres Vaters mit ihrer strengen Mutter aufwachsen musste. Mit 16 wurde sie schwanger - eine Katastrophe. Ihr damaliger Freund stand nicht zu ihr und seinem Kind. Sie lehnte für sich eine Abtreibung ab, konnte aber das Kind, ein Mädchen, nicht versorgen, weil sie unbedingt Medizin studieren wollte. Deswegen wurde das Baby unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben.


Frau Dr. Pahlhaus passt genau in die Klinik St. Bernhard. Ihre liebevolle Zuwendung und ihr trockener Humor helfen den Patienten, ihre Angst zu überwinden. Sie bewahrt immer die Haltung, bleibt Herrin der Lage und wirkt in jeder Situation gefasst und perfekt.


Ich habe die Frau geliebt und bewundert, als ich junger Student war.

Mit dieser Figur möchte ich meiner Lehrmeisterin ein kleines Denkmal setzen. Und mich für 4 wunderbare, großartige Monate bedanken, in denen Sie, Frau P., mir das Gefühl gaben, wichtig zu sein.



Es gibt ein wunderbares „Lehrbuch“ von Anna Basener - ‚Heftromane schreiben‘. Da steht eigentlich nur Furchtbares drin. Strenges. Kreativitätskiller. Bestimmte Handlungsstränge haben so oder so aufgelöst zu werden. Bestimmte Personen haben sich so oder so zu verhalten. Es gibt keinen Sex, und keine Perversion, wie Schwule, und so. Und? Was sagte sich dieser Autor hier? Nun gerade, und schuf 

Dr. med. Philipp Angerer ( Pragmatisch, zugewandt, ruhig )

Philipp arbeitet als Stationsarzt auf der Inneren. Er tritt bescheiden und zurückhaltend auf, was Schwester Lily dazu verleitet, ihn zu mobben. Pfleger Chris ist schockverliebt, auch wenn er sich nicht sicher ist, dass der nette Arzt seine Gefühle erwidert. Philipp ist blond, blauäugig, mit blondem Bart. Er ist 28 Jahre alt, 185 cm groß und wiegt 72 kg. Er ist ein kluger Kopf, sehr kollegial und hat nach seinem Coming out ein denkbar schlechtes Verhältnis zu seinen Eltern. 

Deswegen ist er auf der Suche nach einer Vaterfigur - sein eigener fällt ja emotional aus. Philipp und Chris bauen eine enge Freundschaft zum Titelhelden und dessen Gattin auf. Egidius fungiert sogar als ihr Trauzeuge. 

Chris und er gehen eine enge Beziehung ein, und versuchen, trotz des voraufgegangenen Mobbings eine freundschaftliche Beziehung zu Schwester Lily aufzubauen. Sie betreuen zeitweise das Kind von Lily, den 10jährigen Hannes, den Lily alleine großzieht. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht, als er mitbekam, dass der Junge an Asperger-Autismus leidet. 

Er ist ein ruhiger, konzentrierter Mensch. Weder ist er ein Feuerwerk an Humor noch an Temperament. Aber man spürt, dass er solide ist, und dass man sich mit ihm wohl und sicher fühlen kann. 



Genau wie Frau Dr. Pahlhaus, so hat auch einer der Oberärzte ein lebendiges Vorbild. Das macht das Schreiben einfacher. Sowohl die Personen, als auch beschriebene Ereignisse entstammen nicht meiner überbordenden Fantasie, sondern existier(t)en real. Allerdings gibt es eine Besonderheit bei
Dr. med. Kilian Cortinarius ( giftig, neidisch - später allerdings Wandlung vom Saulus zum Paulus )

Machen wir uns nichts vor. Es gibt widerliche Menschen. Bösartig und intrigant. Bei der Namensgebung hatte ich viel Spaß, den der Nachname bezeichnet einen besonders giftigen Pilz, Cortinarius orellanus - der orangefuchsige Rauhkopf. 

Dr. Cortinarius ist 36 Jahre alt, 186 cm groß und 75 kg schwer. Stechende blaue Augen, und sein Mund ähnelt dem Maul eines Karpfen.  Er trinkt nur Tee, den er nach seiner bestimmten Anweisung zubereitet haben will, und er geht allen durch die Formulierung „bitte nicht böse sein!“ auf die Nerven. Er stammt aus kleinen Verhältnissen und hat sich mühevoll hochgearbeitet, allerdings oft auch mit unlauteren Mitteln. 

Er ist einem meiner Ex-Kollegen im Franziskus-Krankenhaus nachempfunden. Ich habe ihn gerade gegoogelt. Er ist in Norddeutschland Professor für Urologie. Grauenvoll. Aber ein Beweis dafür, wie weit man es mit Schleimerei bringen kann. 

In meiner Geschichte kommt er besser weg. Das hat dramaturgische Gründe. Er wird geläutert und vom Quasi-Antagonisten zum Agonisten. Träumen darf man doch, oder? Und man muss Menschen immer die Möglichkeit zur Entwicklung zugestehen. Täte man das nicht, sprächen man sich selbst diese Möglichkeit ebenfalls ab. 

Und vielleicht hat sich ja sogar mein Ex-Kollege zu einem Menschen entwickelt. 


Professor Dr. Egidius Sonntag unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von seinen Kollegen Professor Brinkmann, dem Landarzt oder dem Bergdoktor. Ihm ist da was Dummes passiert, und zwar im ersten Jahr seiner Ehe mit Corinna. Sie hieß Leonie, es handelte sich um einen One-Night-Stand, und wie ein richtiger Kerl hat er sich davongeschlichen. Reicht doch auch, oder?  Um so seltsamer, wenn es plötzlich an der Haustür klingelt, und ein Junge davor steht, der einem ziemlich ähnlich sieht - wie in diesem Fall
Lukas Bernleitner ( zerrissen, einsam, weich )

und behauptet, dein Sohn zu sein.

Lukas ist ein wirklich sympathischer 14, bald 15-jähriger, der, wie vermutlich alle in diesem Alter, auf der Suche nach seiner Identität ist. Seine Mutter hat ihn seinem Vater und seinen Vater ihm vorenthalten. Erst, als sie an Krebs erkrankt, wird ihr bewusst, dass der Junge versorgt werden muss, und sagt ihm, wer sein Vater ist. 

Aufgrund der großen Ähnlichkeit hat Egidius keinen Zweifel, und nimmt seinen Sohn herzlich auf. Corinna hat ihrem Mann den Seitensprung von damals längst verziehen. 
Lukas fühlt sich entwurzelt, wird von Verlustängsten gebeutelt und sucht Halt. Er genießt natürlich auch die materielle Sicherheit, die Egidius ihm bietet. Seine Mutter folgt seiner Bitte, aus Berlin an den Schliersee ziehen zu dürfen, und stellt sich der offiziellen Adoption nicht in den Weg. 

Er ist ein Suchender, manchmal ausgeflippt und über die Stränge schlagend. Er ist intelligent, wobei seine Begabungen eher im sprachlichen, nicht im naturwissenschaftlichen Bereich liegen. Er prügelt einen Mitschüler krankenhausreif, weil dieser - ach, naja. Das könnt ihr dann später in Band 7, „Gefühle preiswert abzugeben“, lesen! 




Es gibt Menschen, die, auch wenn es zwischendurch Situationen gibt, die das Bild verändern, mir durchgängig unsympathisch sind. Das sind die Menschen, die chronisch unzufrieden sind, und missgünstig. Die meinen, das Leben schulde ihnen etwas. Die behaupten, sie hätten alles für einen getan, und man danke es Ihnen nicht genug. 
Zu diesen Menschen gehört
Schwester Lily Melato ( unzufrieden, neidisch, selbstgerecht )

Ich bin ein Gegner des „Wie die schon aussieht“, aber ... so wirklich sympathisch wirkt sie nicht, mit ihrem verkniffenen Gesicht, den aufeinander gepressten Lippen, Typ ‚hagere Ziege‘. Sie ist 32 Jahre alt, 178 groß und wiegt 58 kg. Sie lebte in einer Beziehung mit Michael, aus der ein inzwischen 11jähriger Sohn hervorging. Als das Kind mit Asperger diagnostiziert wurde, machte Michael sich aus dem Staub.

Dabei ist Hannes hochintelligent, und in seiner Art ganz liebenswert. Nur eben, dass er bestimmte Bedürfnisse hat. Seine Mutter bemüht sich, auf diese Bedürfnisse einzugehen, und verzichtet für ihr Kind sicher auf ihr persönliches Lebensglück. Aber muss sie es dem Kind zum Vorwurf machen?

Lily ist eine mäßige Krankenschwester. Den neuen Stationsarzt, Dr. Philipp Angerer, mobbt sie nach Leibeskräften. Trotzdem stellt er sich schützend vor sie, als - ok, das lest ihr dann ja. Ich jedenfalls wollte, dass Sie mir nie begegnet wäre. Ja, ich hatte mal vier Monate lang mit einer solchen Lily zu tun. Widerlich. 
Ach ja: Lily hat ein Geheimnis. Aber das bekommt ihr schon noch mit! 



Ich habe an einen guten Freund von mir gedacht, als ich einen bestimmten Charakter erschuf, den man im ersten Moment kaum wahrnimmt, und der sich dann langsam in den Vordergrund schiebt, dadurch, dass er mit einer meiner liebsten Lieblingsfiguren zusammenkommt, der Ärztin Dr. Dagmar Rommert. Dieser Freund konnte einfach alles. Vom Reifenwechseln auf nächtlicher Landstraße bis zu Mondschein-Sonate auf Bechstein-Flügel spielen. Vom Stricken eines Pullovers bis hin zu medizinischer Forschung. Der Krankenpfleger
Anton Schattenhofer ( perfekt, zurückhaltend, romantisch )

Anton läuft uns wie zufällig über den Weg, im ersten Band. Eigentlich fällt er nur dadurch auf, dass er für Dagmar schwärmt, in seiner ruhigen, schüchternen Art. Dagmar allerdings ist gerade emotional besetzt. Er steht eher in der zweiten Reihe, arbeitet sich allerdings beharrlich in den Vordergrund. Es bleibt unausgesprochen: Sie, die tolle, perfekte, coole Ärztin - er, der kleine, bescheidene Krankenpfleger? Das ist schon ein Unterschied, oder? Passt das überhaupt?

Er schafft es, sie in Erstaunen zu versetzen. Außerhalb der Klinik ist es, als ob er einen Schalter umlegt. Er kleidet sich elegant und geschmackvoll, versteht etwas von Haute cuisine, von guten Weinen. Spricht offenbar mehrere Fremdsprachen, und ist umfassend gebildet. 

Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, aber eine Liebe, die sich langsam entwickelt. Und innerhalb dieser Entwicklung erleben Dagmar - und natürlich wir auch - noch so manche Überraschung. 

Ja, und plötzlich, durch einen dummen Fehler, den Dagmar macht, ist Anton verschwunden. Spurlos. Gekündigt habe er, erfährt sie. Seine Wohnung ist leer. Sein Handy abgemeldet. Es ist, als habe er nie existiert. Was ist da los? Und vor allem: Werden wir ihm irgendwann, irgendwo wieder begegnen? Oder ist es schon wieder passiert, dass Dagmar über kurz oder lang alles verliert, was ihr wichtig ist?