Glück gehabt! 

Man betrachtet ein Bild. Naja, was man so „Bild“ nennt. Eher langweilige geometrische Formen, bunt, mit einem Pinsel über eine Leinwand gewischt. Jeder halbwegs dressierte Affe kann das. 

Oder man hört im Radio Musik, und man weiß, das hatte ich tausendmal besser gesungen. Im Kino, der Hauptdarsteller im Film - ganz unglaubwürdig. Ich hätte die Rolle eher so angelegt, dass ... Oder ein Comedian. Unlustig. Warum darf der im Fernsehen auftreten, und ich nicht? Ich weiß, wie man Witze erzählt! 

Mein Thema ist ja nun das Schreiben. Kochbücher wie Biolek? Belletristik wie Hera Lind? Polarisierendes wie Sarrazin? Ratgeber a la „Wie werde ich mühelos schlank, reich und prominent?“ Feuchtgebiete und graue Schatten? Sowas wird gekauft, liegt bei Thalia auf den Tischen herum, und auf den Bestseller-Listen rangieren diese Werke weit oben. Es gibt natürlich auch wunderbare, hochwertige Literatur, die Preise gewinnt und von prominenten Kritikern in allen Medien hoch gelobt wird. Die werden eher weniger gelesen. Und dann gibt es Verlage, die für ihre Autoren Werbung machen. Dies alles wurde mir nicht zuteil. Bisher. Weil ich es auch nicht kann. Und nicht will. 

So etwas wie Neid kommt auf in dem Zeitgenossen, der künstlerisch arbeitet. Der Maler, der Musiker, der Schauspieler - sie alle verdienen Geld mit dem, was sie tun. Unsummen. Zumindest denkt man das. Und was ist mit mir, fragt er sich? Ich komme gerade so über die Runden. Am Ende des Geldes ist noch reichlich Monat übrig. Dabei: MIR stünde das zu. ICH sollte Geld verdienen, für mein Talent, meine Inspiration, mein künstlerisches Feingefühl, meine Interpretation und Phrasierung. Könnte ich nicht auch mal Glück haben? Dabei weiß man, dass nur ca. 5% der Schriftsteller von ihrer Schreibe leben können. 

Es ist falsch verteilt, auf dieser Welt, nicht wahr? Ich will gar nicht bestreiten, dass auch ich nicht frei bin von - nein, nicht von Neid und Eifersucht. Ich gönne jedem seinen Erfolg. Aber von dieser Wehmut, die einen beschleicht, wenn man denkt, etwas zu können, aber keine Chance erhält, es zu zeigen. Man möchte eben zu den ca 5% der Schriftsteller gehören, die Geld verdienen. Ist das zu viel verlangt? 

Ja, und seit heute ist alles anders. Ab sofort gehöre ich dazu. Mit meinen Klecksen auf einer Leinwand, bzw., meinen Buchstaben auf Papier. Ab sofort bin ich der, von dem alle denken, wieso ausgerechnet DER. Weil doch alle so viel mehr Talent, Inspiration, künstlerisches Feingefühl haben. So viel besser sind. Warum also ausgerechnet dieser Peik Volmer? 

Um es kurz zu machen: Ich weiß es auch nicht. Aber ich freue mich. Sogar sehr.