‚Heute, im Cinemaxx‘ oder ‚Kann mir bitte sofort jemand sagen, was ich hier mache?‘ 22.6.17

 Eben hat mich jemand gefragt, wie er denn war, der Transformers-Film. 
Um es kurz zu machen: Ich weiß es nicht. 
Ich fass mal zusammen, ok? Also ... Mark Wahlberg, der seine Frau verloren hat und seine Tochter nicht sehen darf, trifft auf eine Geschichtsprofessorin, die ungefähr so überzeugend ist wie ich als Magic Peik. Ganz zufällig hat sie keinen Mann, welcher Umstand natürlich einen erheblichen, dringend korrekturbedürftigen Makel darstellt. 

Bereits zu Merlins und König Arthurs Zeiten landeten Außerirdische in der Gegend von Camelot, so erfahren wir, die vielleicht etwas auffällig aussahen, da sie gern die Gestalt von Daimlers oder Lamborghinis annahmen, was ja angesichts des Mittelalters recht verwegen ist, trotzdem wurden sie von Parzival, Lancelot, Galahad und Konsorten als zusätzliche Ritter zur Tafelrunde geladen. Es kamen aber nicht nur die bunten Guten, sondern auch rostige Böse, die von den Guten davon abgehalten wurden, die Erde zu vernichten.

Um des Problems mit den rostigen Bösen nachhaltig Herr zu werden, werden drei Gegenstände benötigt, die Marky Mark frivolerweise der unbemannten jungen Frau vorführt. Ein animiertes Amulett, das, einmal auf seinem Waschbrettbauch gelandet, sich flugs in Richtung der Genitalien des Hauptdarstelles begibt und neckische Dialoge zwischen ihm und ihr provoziert - „Soll ich mal nachschauen?“ wer möchte das nicht?  ( Es sei hier schon verraten: Sie hat bis zum Ende Gelegenheit zur Inspektion. Sie kriegen sich. ) Und dann, sehr stimmig, zwei phallische Gegenstände: Der „Stab des Lebens“ (sic!) des Zauberers Merlin, und Arthurs Schwert Excalibur. 

Sir Anthony, in Begleitung eines kauzigen, metallenen Butlers, erfüllt die Rolle dessen, der weiß, wie es geht, zumindest so lange, bis er von den bösen Transformers in einer Art Stonehenge zu seinen Ahnen befördert wird. Außerdem läuft da immer wieder ein keckes junges Mädchen durchs Bild, deren Rolle sich mir nicht erschloß. Und nach unendlich langer Zeit, in der fortwährend was explodiert, ist dann die Welt gerettet, warum, weiß ich immer noch nicht. 

Eine krude Mischung aus Esoterik-Comedy-Mittelalter-Weltraum/Unter-Wasser - Abenteuer mit einem Schuss erotischer Beziehungskomödie. Irgendwie hat Aviva Sowienoch, die die „Idee“ hatte, mal alles verwendet, von dem sie glaubte, ein Publikum von 8-80 zu bedienen. Die Instrumentierung des schlichten Soundtracks ist ähnlich spannend. Blechbläser und Trommeln bzw. Pauken. Gelegentlich Streicher. Viola und Violoncello. Hauptsache laut und stakkato. 

Ich glaube, der „Bob der Baumeister“-Film wäre besser gewesen, zumindest verließen die Kinder das Kino glücklicher als ich ...


Blade Runner 2049

( für Carlo )

Ryan Gosling sieht wirklich gut aus. Umwerfend. Nicht wie in La La Land, aber richtig gut. 

Der Film stellt eine weitere, besonders düstere Endzeitvision dar. Es gibt im wesentlichen zwei Farben zu bewundern: Nebliges Blaugrau, und Rostbraun-Orange. Inhaltlich tragen zwei sensationelle Themen, einmal die Frage, an welcher Stelle ein synthetischer Mensch beginnt, menschlich zu sein, und zum anderen ein Vater Sohn/Tochter-Konflikt. 

Ryan Gosling ist wirklich schön. Sogar, wenn er tötet. Ihm nimmt man das nicht weiter übel. 

Also, düster ist er, der Film. Dazu passend ein Score, der vermutlich in einer Fabrikhalle aufgenommen wurde. Aber die Sets sind gewaltig, und teilweise äußerst ästhetisch. Und symmetrisch. Wirklich ansprechend. Allerdings sind zusätzliche Ausgaben für 3D wirklich nicht erforderlich. Ich war so blöd. Absolut überflüssig.

Ryan Gosling sieht sogar dann noch klasse aus, wenn er auf die Fresse kriegt, und wenn er blutet. Beneidenswert. 

Es gibt noch eine Handvoll von wirklich tollen Schauspielern, außer Ryan Gosling und Harrison Ford, der mit dem Alter immer besser wird. Jared Leto, und Robin Wright, zum Beispiel. Alle stellen Charaktere dar, die ununterbrochen Martial Art anwenden, um wen oder was auch immer aus dieser nicht wirklich lohnenswerten Zukunft zu eliminieren. 

Unter anderem auch Ryan Gosling, der selbst sterbend noch hinreißend attraktiv wirkt, auf den Stufen einer Treppe im Schneegestöber dekoriert. 

Fast drei Stunden. Mein Tipp: Ein Käsebrot, und eine Thermoskanne mit Kaffee. Popcorn und Cola reichen nicht. Wie bei einer Wagner-Oper. Nach dem 1. Akt benötigt man eine Mahlzeit. Ich behaupte mal, dass man den Film ohne inhaltliche Verluste locker um 30-40 Minuten hätte kürzen können. 

Egal. Jammere nicht, Du hast es ja hinter Dir.
Und Ryan Gosling war wirklich schön. Schade, dass er nicht wenigstens ein bißchen getanzt und gesungen hat!


„Murder on the Orientexpress 2017“ oder „Johnny Depp in häßlich“

Hand auf's Herz: Kennen Sie Josh Gad? Leslie Odom? Daisy Ridley? Nein? 

Das beruhigt mich. Ich nämlich auch nicht. 
Wie sieht es mit Anthony Perkins, Vanessa Redgrave und Sean Connery aus? Schon eher, oder? 

Stellen Sie sich vor: 1974. London. Odeon am Marble Arch. Der Film Murder on the Orient Express ist angelaufen, und ich genieße die unglaublich bequemen Sessel, in die man sich förmlich hineinlegen muss, um den Film zu genießen. Hier frönt man nicht se8ner Leidenschaft für den Film, hier zelebriert man sie.

Ein sagenhaftes Staraufgebot. Albert Finney. Richard Widmark. Ingrid Bergmann. Lauren Bacall. Michael York und Jacqueline Bisset. Das hört gar nicht auf mit Stars. 
Der Plot ist bekannt. Die Geschichte gehört nicht zu meinen Lieblingsromanen von Agatha Christie, eher der Mord im Pfarrhaus oder 16Uhr50 ab Paddington, aber, bei der Besetzung? Muss man gesehen haben. 

Und jetzt? Ein Remake? Mit heutiger Technik? Mit der Möglichkeit, gewaltige, schöne Bilder zu erzeugen? Und wer spielt alles mit? 

Aaahh! Johnny Depp! Als Ratchett? Mist. Dann stirbt er leider schnell, und sieht auch hässlich aus. Michelle Pfeiffer als Lauren Bacall? Kenneth Branagh als Albert Finney? Penelope Cruz als Ingrid Bergmann? Echt? Und wer sind die anderen? 

Erster Eindruck? Sehr schöne, wenn auch sehr schön künstliche Szenerien. Stichwort CGI ( Computer generated imagery ). Trotzdem, hübsch gemacht. Ein wenig rechnet man damit, dass Gollum, Frodo oder Gandalf im nächsten Moment um die Ecke biegen. Make-up und Kostüme glaubhaft. Johnny Depp, wie befürchtet, in hässlich.

Das, was am meisten ärgert, ist der Regisseur/Hauptdarsteller. Kenneth Branagh setzt sich selbst ununterbrochen in Szene. Da, wo Finney witzig, ironisch, gewitzt war, ist er neurotisch, moralinsauer, verkniffen. Ununterbrochen schwadronierend im Bild. Und sehr, sehr von sich überzeugt. Na gut, das ist eben Hercule Poirot. Aber augenzwinkernd, bitte. Sich nicht selbst überhöhend. 

Der Hinweis am Schluss des Films auf Death on the Nile ( Peter Ustinov, David Niven, Bette Davis, Angela Lansbury, Mia Farrow und die großartige Maggie Smith, auch 1974 gedreht ) wirkt da auch nicht mehr komisch, sondern eher bedrohlich. Noch so ein Film? 

Und sollte Johnny Depp mitspielen, bitte wieder schön, ok? Das könnte mich versöhnen!